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Sommerzeit: Die Qual der Wahl

In einer Blitzumfrage hat die EU dieses Jahr eine Volksbefragung zur Abschaffung der Sommerzeit durchgeführt und erstaunlich schnell bekannt gegeben, dass man den halbjährlichen Zeitwechsel auf Grund des Ergebnisses der Befragung 2019 letztmals durchzuführen gedenke.  Soweit so gut, auch wenn inzwischen in den Beratungen mit den Staaten deutlich wird, dass diese einen Systemwechsel nicht vor 2021 wünschen. Das ist möglicherweise gar nicht falsch, denn ich möchte nur eines von vielen Problemen beleuchten, welches meiner Meinung nach nicht innerhalb eines Jahres gelöst werden kann.   Dabei gehe ich davon aus, dass die europäische Tourismus- und Gastronomie-Lobby stark genug sein wird, bei einem Systemwechsel die jetzige Sommerzeit als Ganzjahreszeit durchzusetzen.

Auswirkung auf die Schulen

Eine Beibehaltung der Sommerzeit als Ganzjahreszeit hätte für die allgemein bildenden Schulen, aber auch für die Kitas fatale Folgen. 
  • Bei gleichbleibendem Schulbeginn würde dies bedeuten, dass im Dezember Januar eigentlich erst ab 9 Uhr richtiges Tageslicht herrscht. Die ersten Lektionen fänden also in der Dunkelheit statt. Die ersten drei Stunden nach Verlassen des Hauses fänden also für Grundschüler insbesondere im ländlichen Raum bei weitgehender Dunkelheit statt.
  • Genau so Kita: Anfangszeiten lägen in dieser Jahreszeit praktisch mitten in der Nacht. 
  • Es sind wohl deswegen vor allem Schlafforscher, welche gegenwärtig klar auf Beibehaltung der Winterzeit als Basiszeit plädieren.

Schulbeginn verschieben?

Ja, das wäre sicherlich der erste Gedanke. 60 oder noch besser 90 Minuten späterer Schulbeginn - vom Kinde her gedacht. Daran schließen sich jedoch einige Fragen an:
  • Stundenverschiebung für alle allgemein bildenden Schulen?
  • Falls der Arbeitsbeginn in Industrie und Dienstleistung jedoch gleich bleibt, entsteht ein logistisches Problem. Vielerorts wurde die Schülerbeförderung an die öffentlichen Fahrzeiten angepasst, "Nur-Schülerfahrten" aufgehoben.  Und jetzt? Plötzlich wieder Sonderfahrten?
  • Gleichzeitig entsteht ein Betreuungsproblem in den Morgenstunden. (Frühhort etc.)
  • Eine Verschiebung der Schulanfangszeiten hätte also einen Mehrbedarf an Fahrten im ÖPNV zur Folge, was die Kosten für die Landkreise treibt und sich wieder in höheren Kreisumlagen niederschlägt. Außerdem müsste die Hortstruktur verändert werden.
  • Organisation, Neustrukturierung und Planung im Bereich Betreuung und ÖPNV sind kaum innert Jahresfrist zu bewerkstelligen, wie diverse Beispiele der Schülerbeförderung der letzten Jahre gezeigt haben. Das Jahr 2019 als Termin für eine derartige Umstellung ist also ein sehr ambitioniertes Ziel.
Also Beibehaltung der Winterzeit? Neben den eingangs erwähnten Lobbys sind es auch die rein privaten Egoismen nach langen Sommerabenden, welche Sommerzeit als Dauerzeit favorisieren werden.

Eltern, Kreis- und Landeselternräte sind also hinsichtlich einer Umstellung auf Dauersommerzeit  gut beraten, sich frühzeitig zu folgender Frage in breiten Allianzen zu positioneren:  

Wieviel Nachtaktivität muten wir unseren Kindern eigentlich NOCH zu? 

Was muss im Falle der Einführung von Dauersommerzeit im Interesse 
um die Gesundheit unserer Kinder geschehen?

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