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Zukunft des ländlichen Raumes (3): Sparen und Geld verlieren!

GS Schollene
Der Besitzer eines Kleinhotels stellt fest, dass sich die Reklamationen bezüglich des Zustandes seiner 35 Zimmer häufen. Er muss sich entscheiden, ob er seinen Betrieb einer Total-Renovation unterzieht , was aber weit über seine verfügbaren Eigenmittel hinaus gehen würde. Er braucht also einen Kredit, um ein solches Vorhaben umzusetzen. Das wiederum würde bedingen, dass er sich ein klares Programm und Ziele für die kommenden 10-15 Jahre setzen würde.

Der Hotelier entscheidet sich für einen anderen Weg: Er renoviert 5 Zimmer und will mal schauen, wie die Resonanz der Gäste ist. Diese ist gut. Allerdings verliert er mehrere Gruppen, welche bereits ein Jahr zuvor Renovationen angefordert und erneut vor allem marode Zimmer angetroffen hatten. Er weiss nun, dass diese sein Haus nicht mehr besuchen werden.

Angesichts der unsicheren Buchungslage entscheidet sich der Mann nun, nochmals 5 Zimmer herzurichten und künftig mehr auf Individual-Gäste zu setzen. Die Belegung ist nicht schlecht, allerdings kriegt er im Bereich Restauration das Problem, dass ihm Koch und Kellner mehr oder weniger den Gewinn aus den Zimmern wegfressen, denn mit 20 Gästen rechnet sich das alles nicht.

Somit ist es klar: Für die kommende Saison wird zwecks Gewinnoptimierung nur noch Garni angeboten. Das wiederum erzürnt die bisherigen Stammgäste, welche ausbleiben und so geht der Mann ein Jahr später pleite.

Das Hotel kriegt einen neuen Besitzer, dieser nimmt eine teure Totalsanierung vor, verwandelt das Haus in ein Schmuckstück und hat nur selten leere Zimmer. Seinen aufgenommenen Kredit kann er auf Grund der guten Geschäftslage vorzeitig zurückbezahlen.

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Sparpolitik“ im Bereich Grundschulplanung ländlicher Raum

Thema
Sachsen-Anhalt
Bayern - Oesterreich
Lehrermangel/ -Kosten
Schulzentren, Erhöhung Schüler- Lehrerverhältnis.

Neue Zuteilung für ländl. Bereich in Kompetenz Kommune/Schulleitung
Schulform
Zweizügig, Jahrgangsklassen, weite Wege schon für Grundschüler.
Größer, wo kleiner gefragt ist.
Mit folgendem Problem:
Schuleinzugsgebiet 2017/18:
Rottleberode/Südharz:
124 km² !
(heute 3 Schulstandorte)
Normale Jahrgangsklassen-Schulen, aber auch Kleinschu-len, altersdurchmischt. Ergibt günstiges Lehrer-Schüler-verhältnis.
Ortsnahe Beschulung garantiert.
Förderwürdigkeit
Nur zweizügige Grundschulen!
Richtwerte stammen vom Kultus-Ministerium!

Alle Grundschulen, egal wie groß. Vielfach Mischnutzung und somit höherer Nutzungs- und Refinanzierungsgrad.
Folgekosten
Beförderungskosten, Wert- und Steuerverlust Immobilien, Abwanderung, Standortnachteil der entschulten Gebiete.


Leicht höhere Grundkosten der Schulen im Bereich Gebäude und Personal.
Evt. Zusätzliche Förderung von wichtigen Ortsstrukturen.
(Existenzgründer, Soziale Treffpunkte etc. )
Gewinn
Marginal, da Einsparpotential von Folgekosten mehr als aufgefressen wird.
Ländlicher Raum entwickelt sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.
Standortmarketing
Schwammig (Grüne Wiese..Luther, Otto, Frühaufsteher usw.)
Griffig, sichtbar, nachvollziehbar. Ermöglicht Entscheidungen.
Bildungsland Bayern
Regionalmarketing Bayern
Planungssicherheit
Nicht gegeben, da mittelfristig von Ausnahmen und möglichen weiteren „Strukturanpassun-gen“ geprägt, überlagert.
Hoch, für Familien und Existenzgründer. Regionalentwicklung mit stabilen Eckwerten.
Zuzug/Wegzug
Belastet Prokopf-Statistik im Bereich Verschuldung und Altersdurchschnitt negativ.
Entlastet Prokopf-Statistik im Bereich Verschuldung und Altersdurchschnitt
Prognostik der weiteren Entwicklung
Schwerpunkte der Planung sind Mittel- und Oberzentren. Ländlicher Raum wird für Familien in Folge eines generellen Strukturabbaus unattraktiv.
Differenzierte, Flächen deckende Entwicklungsplanung. Familien haben die Wahl, wo sie unter gleichwertigen Voraussetzungen leben wollen.

Somit wäre die Geschichte vom Hotelier ein zweites Mal erzählt. Er befindet sich in diesem Beispiel in der Phase, in welcher er auf Garni umzustellen beginnt. Vollversorgung seiner Gäste will er sich nicht mehr leisten. Dies, obwohl Nachbarn exakt den gegenteiligen Weg begehen. Sie werden die Gäste des „Sparfuchses“ mit Vergnügen beherbergen. Diese freuen sich darüber, dass sie am neuen Ort „Halte-Faktoren“ vorfinden, welche diesen Namen auch verdienen.

Diese Gegenüberstellung führt zur Frage, welche Zukunft denn der ländliche Raum in Sachsen-Anhalt angesichts dieses Strukturabbaus überhaupt noch haben soll. Dazu gibt es keine Antworten, weshalb wir um so lauter fragen werden.

Alle drei Beiträge in Reihe


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