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Vertrauen und Kostenwahrheit!


Pressemitteilung:
09.07.2013

Grundschulschließungen Statistische Werte: Es geht um Vertrauen und Kostenwahrheit!

Wie mdr-INFO am 08.07.2013 aufdeckte, bestehen erhebliche Zweifel an den von Kultus- und Finanzministerium publizierten Zahlen bezüglich Grundausgaben / Student/ Jahr. Die im Arbeitspapier der Ministerien dargelegten 11.500 Euro reduzieren sich um rund
2.000 Euro, welche nicht vom Staat, sondern von „Dritten“, also externen Geldgebern, eingebracht worden sind. Damit entfallen die Hauptargumente für die angekündigte Sparübung an den Hochschulen.

Gravierender ist jedoch die Tatsache, dass sich zunehmend ein generelles Misstrauen gegenüber allen von den zuständigen Ministerien publizierten Zahlen einstellt. Die Tatsache, dass auch auf Nachfragen gemauert oder geschwiegen wird, macht die Situation nur noch schlimmer und erschwert den notwendigen Dialog zu dieser Thematik.
Besonders schwerwiegend ist diese Situation bei der Diskussion um Grundschulschließungen!
Sämtliche Zahlen-Argumente für Grundschulschließungen, welche bisher geäußert wurden, offenbaren sich bei genaueren Recherchen als Halbwahrheiten:
  • Mit 11,2 Schülern/pro Lehrkraft, tiefster Wert bundesweit
    Stimmt so nicht, da die Förderschulen mit eingerechnet wurden. Tatsächlicher Wert gemäß unserer Recherchen beträgt 15,71 bis 15,97 Schüler/Lehrkraft.
  • Schülerkosten: In allen Veranstaltungen zum Thema Schulschließungen werden die hohen Kosten von 7.500 Euro präsentiert.
    Unsere Recherchen über Quellen des Landesamtes ergaben jedoch für die Grundschulen den Wert von 4.183 Euro/Schüler, welche als Landeskosten ausgewiesen sind!
  • Zu erwartende Schülerzahlen in den kommenden Jahren: Immer mehr Standortgemeinden bezweifeln die Seriosität der Statistik, da bereits heute die wirklichen Schülerzahlen vor Ort erheblich von der Statistik abweichen. Im Weiteren erkennt man inzwischen auch, dass die Schülerzahlen landesweit bis 2020 zunehmen. Ob sie später wirklich im prognostizierten Rahmen abnehmen, ist Spekulation und maßgeblich davon abhängig, wie sich in ländlichen Regionen die Infrastruktur entwickelt.
Wie viel Geld spart man denn nun mit all diesen Grundschulschließungen?
Dieses Thema wurde bereits mehrfach auf Informationsveranstaltungen angeschnitten. Das Resultat war immer dasselbe: Es gibt keine konkreten Zahlen! Hinzu kommt, dass mögliche Spareffekte aufgefressen werden: von Kosten, welche Landkreise für Schülertransporte, Eltern und Schüler für lange Wege aufzubringen haben, von Investitionen, die neu zu errichtende Schulzentren verschlingen werden!
Aktionsbündnis: Dorfschulen sparen wirklich Geld, stärken die ländliche Region und verschaffen dem Lande zusätzliche Einnahmen.
  1. Auf der Basis der Zahlen, welche vom Landesamt verwendet werden, fordern wir jahrgangsdurchmischte Kleinschulen ab 20 Schülern. Damit wird ortsnahe Grundschulversorgung garantiert und Sachsen-Anhalt bleibt oder wird für junge Familien ein attraktiver Standort. Bayern, wo diese Bestandessicherheit gewährleistet wird, müsste uns Beispiel sein.
  2. Wir statten diese Schulen mit einer besseren Grundversorgung an Lehrkräften aus als Bayern und kommen nach den oben erwähnten Berechnungen auf Landeskosten/Schüler/Jahr von 3.078 Euro. (Basis: 50 Schüler, 2 Lehrkräfte, Pädagogische Mitarbeiter 1 Vollstelle, Schulleitung/Sekretariat ¼ Stelle)
    Das sind 59% Kostenersparnis gegenüber den von den Ministerien behaupteten
    7.500 Euro; wichtiger: beachtliche 27% echtes Sparpotential gegenüber den realistischen Kosten von 4.183. Euro und keine zusätzlichen ausgelagerten Mehrkosten. Eine klassische Win-Win-Situation!
  3. Mit personell gut ausgestatteten Grundschulen vor Ort entsteht für das Land Sachsen- Anhalt ein klarer Standortvorteil: es steigt der Neuzuzug von Familien und Wegzug wird verhindert. (Nicht wir argumentieren so, sondern das ist die Begründung des Freistaates Bayern, wo Schulen bis zu einer Größe von 26 noch genehmigungsfähig sind. Vielfach entstehen dann 2 Klassen a 13 Schüler.
  4. Die Stützung des ländlichen Raumes ist letztlich existenziell für die nahegelegenen Grund- und Oberzentren, denn ohne dieses Einzugsgebiet verlieren sie die Frequenzen, welche bisher ein Überleben gesichert haben.
Umdenken!! Zum Wohle Sachsen-Anhalts!
Das Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort fordert Landesregierung, aber auch die Fraktionen auf, sich unverzüglich dieses Themas anzunehmen. Wir brauchen kleine Schuleinheiten und dafür benötigen wir jahrgangsgemischte Klassen. Die jetzige Schulschließungswelle 2014/2017 führt zu unwiderruflicher Zerstörung von dörflicher Infrastruktur und Kultur und vernichtet frühere Investitionen in Millionenhöhe!
Unser Schulsystem muss mit zwei Lehrkräften genau so funktionieren, wie mit 100 Lehrkräften“, sagt die finnische Bildungsministerin.

Dieses Denken wünschen wir uns auch in Sachsen-Anhalt!

 

Wer wir sind
Das Gründerteam des
Aktionsbündnisses Sachsen-Anhalt - Grundschulen vor Ort!! setzt sich aus interessierten Mitgliedern der Petition "Stoppt Grundschulschließungen - Fördert Landschulen" zusammen.

Wie und wo wir zu erreichen sind:

Ernst Romoser
Am Schloßpark 10
39393 Ausleben
ernst.romoser@freenet.de
Walter Helbling (nicht erreichbar vom 13.7. - 15.8.)
Am Bach 7
06333 Welbsleben
walteranamur@gmail.com

Heinz-Josef Sprengkamp
Rothenseer Str. 62c
39124 Magdeburg

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