Google+ Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort Sachsen-Anhalt: Sparzwänge und Konsolidierung (1)

Montag, 4. November 2013

Sparzwänge und Konsolidierung (1)

Grundschule Klietz
In den letzten Wochen und erneut im Interview mit MDR vom 1.11.2013 hören wir vom Kultusministerium, die gegenwärtigen Schulschließungen seien die Folge von Sparmaßnahmen und Schritten der Konsolidierung. Das klingt plausibel, so lange man nicht genauer hinschaut, wie das denn vollzogen wird. Sobald man dann ins Detail erkennt der aufmerksame Beobachter weder einen Spareffekt noch Konsolidierung für Diejenigen, welche von der Schule profitieren sollten.

1. Konsolidierung  (= Zusammenfassen von Einzelteilen zu einem kompakteren Ganzen)
(auch "Verfestigen einer Sache) 
So, nun fehlt noch die Beschreibung des Objektes: Wer oder was ist "das Ganze"? Wer, was soll zusammengefasst, verfestigt werden?

  • Ist "das Ganze" der Einsatz des zur Verfügung stehenden Lehrpersonals? Hier sind laut GEW für die kommenden Jahre auf Grund von Überalterung und Pensionierung massive Personalprobleme zu erwarten. Gleichzeitig ist bekannt, dass das Finanzministerium die Anzahl der Bediensteten von 20 000 auf 13 000 reduzieren will. Damit ist auch die Neueinstellung von Lehrkräften ein sensibles Thema geworden. Das hat aber nichts mit unseren Schülern zu tun, für welche Schule da sein sollte.
  • Immer wieder hören wir, wie schwierig es sei, Lehrkräfte für ländliche Regionen zu rekrutieren. Außerdem bestehe das Problem des Ersatzes, wenn eine Lehrkraft krank werde. Ja, Letzteres ist ein organisatorisches Problem, welche aus dem Stellenpool 103% Lehrkräfte in allen Nachbarländern recht problemlos gelöst wird. Andere setzen gezielt so genannte Vikare ein, welche die erkrankte Lehrkraft ersetzen. Es handelt sich bei dieser Thematik also um ein Organisationsproblem des Arbeitgebers.  Das hat aber nichts mit unseren Schülern zu tun, für welche Schule da sein sollte.
  • Impliziert Konsolidierung zugleich Qualität? Je grösser, um so besser? Das betrifft die Schulform und ist als Aussage in dieser Form schon längst widerlegt. Sie ist falsch, sofern sie damit den Schulerfolg von  Kindern meint. Lernqualität und Lernerfolg lassen sich nicht durch die Größe einer Schuleinheit definieren.
  • Ist "Konsolidierung" einfach eine allgemeine Umschreibung von: "Wir haben dank rund 600 Mio €-Geldern und 300 Mio€ Eigenleistung oder Schuldenaufnahme der Standortgemeinden die einmalige Chance, uns eine "konsolidierte Grundschul-Schullandschaft" aufzubauen und uns mit einem Schlag von unzähligen Problemimmobilien zu trennen... (Zum Preise der Streichung von rund 50% der Landschulen bis 2019..) ???? Dazu mehr unter "Sparmaßnahmen" im nächsten Beitrag.
Sollte Schule als Ganzes gemeint sein, dann fehlt eigentlich die Kernfrage, denn das, was hier aufgezählt wurde, sind "Produktionsfaktoren", nicht aber die Besonderheiten und Anforderung des Rohstoffes, der hier veredelt werden soll. Mit keinem Wort, nirgendwo, liest und hört man etwas dazu.


Welches sind optimale Lernbedingungen für Grundschulkinder im ländlichen Bereich?

Hat sich Planung nicht nach DIESEN Antworten zu orientieren? Ist nicht diese Definition  ganz entscheidend für Lernerfolg und optimale "Veredelung des Rohstoffes". Oder wollen wir, dass es uns mit unserem Bildungssystem ergeht wie einer Schweizer Fensterbau-Firma in den 80-er Jahren? Expandiert, rationalisiert, automatisiert, tolle Produktionsstrassen eingerichtet. Dann waren im Zuge einer Rezession und anschließender Renovationswelle im Immobiliensektor plötzlich individuelle Fenster gefragt. Die Firma war nicht in der Lage, diese Wünsche zu erfüllen. Eine Fertigungsstrasse für 15 Fenster umzustellen rechnete sich nicht und so geriet der Betrieb wirtschaftlich in schwerste Schieflage... 

Wir können uns also "unsere optimale" Schule auf dem Papier oder den Planungsbüros entwerfen und dann diesen Plan umsetzen. So lange jedoch das Wesentliche der Schule, unsere Kinder, deren Bedürfnisse im physischen, pädagogischen und entwicklungspsychologischen Bereich außen vor gelassen werden, ist der Plan als solcher ein Hochrisikoplan. Es besteht die Gefahr, dass der "Rohstoff" ausgeht oder die Veredelung auf Grund unlogischer und schlecht durchdachter Abläufe nur halbwegs gelingt oder scheitert. Können wir uns das leisten?

Auf diesem Wege befinden wir uns mit SEPl-VO 2014.


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