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Eine Zuschrift

Die folgende Zuschrift ist heute Abend bei uns eingetroffen. Kopie eines Briefes an den Kultusministers:

Sehr geehrter Herr Dorgerloh,

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ So zitieren Sie den englischen Komponist Benjamin Britton im Schulgesetz Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2013. Gleichzeitig haben Sie geschrieben; „Die Schule ist eine der ersten Lerninstitutionen in diesem Prozess. Ihr kommt daher besondere Bedeutung zu. Der Erfolg der Schulzeit hängt von allen ab, die sich als Akteure und unterstützende Partner in die schulischen Prozesse einbringen. Das sind insbesondere Pädagogen und Eltern, Schulträger, regionale Partner aus der Wirtschaft und der Politik sowie aus Institutionen und Einrichtungen der Zivilgesellschaft, die dabei mithelfen, Kinder, Jugendliche und Familien zu unterstützen und zu begleiten. Sie alle – vor allem aber unsere Schülerinnen und Schüler – betrifft das Schulgesetz, das es mit Leben zu füllen gilt. Dass kein Kind zurückbleibt oder – wie im Zitat beschrieben – zurücktreibt, ist Ziel unserer Politik. Wir wollen die Qualität in den Schulen weiterentwickeln. Dem Parlament kommt die Aufgabe zu, auf der Grundlage der jeweiligen gesellschaftlichen wie wissenschaftlichen Entwicklungen dafür Rahmenbedingungen zu schaffen. Diese Entwicklungsprozesse erfordern es, auch das Schulgesetz entsprechend fortzuschreiben. Bildung ist das entscheidende Fundament individueller und gesellschaftlicher Entwicklung.“ Sind diese Worte denn alle hinfällig? Überholt? Ungültig?

Wenn Sie es nicht sind, dann ist Ihr Handeln, ein Widerspruch, der seines Gleichen sucht! Genau diese Worte beschreiben das, was gerade an den Schulen gefördert wird, die Sie schließen wollen!
Sparen wir bei der Bildung nicht an der falschen Stelle? Gerade in einem Land, wie Sachsen-Anhalt, was im bundesweiten Vergleich, eh immer sehr weit in den Statistiken in den hintersten Regionen landet? Außer vielleicht in der Arbeitslosenstatistik, da stehen wir sehr weit oben! Haben Sie sich denn einmal gefragt warum das so ist? Weil, wir an der falschen Stelle sparen. Sollte man denn nicht, durch eine ordentliche und verantwortungsvolle Schulbildung, dem entgegenwirken? In einer Zeit, wo Kinder das meiste aus pädagogisch wertlosen Fernsehsendungen und von Spielkonsolen lernen?
Gerade Sie als Theologe müssten doch wissen, wie wichtig es ist, gut gebildet ins Leben zu starten.
Sind es nicht gerade Klassen mit 15 Schülern, die Durchschnittlich besser abschneiden, als Klassen mit 25 Schülern, wo immer Kinder auf der Strecke bleiben? In einem Zivilisierten Land wie Deutschland sollte doch jeder einzelne richtig Lesen und Schreiben können!

Versetzen Sie sich doch bitte einmal zurück in die Zeit, als Sie 6 Jahre alt waren und eingeschult wurden. Mussten Sie um 05:00 Uhr aufstehen um kurz vor 06:00Uhr mit dem Bus eine Stunde lang Richtung Schule zu fahren?
Hätten Sie sich nicht auch benachteiligt gefühlt, wenn Sie gewusst hätten, dass andere Kinder bis 06:30Uhr schlafen können? Hätten Sie es nicht auch unfair gefunden? Hätte Sie das motiviert? Hätten Sie sich den ganzen Tag im Alter von 6-11 Jahren mittags noch konzentrieren können? Mussten Sie den einmal einem kleinen Kind erklären, dass seine Schule geschlossen wird, weil ein Land sparen muss? Vermutlich nicht, sonst würden Sie in Ihrer Verordnung nicht an solchen Zahlen festhalten.

Das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) führt im Auftrag des Kultusministeriums von Sachsen-Anhalt verschiedene landesinterne Modellversuche durch. Darüber hinaus beteiligt sich das Land an bundesweiten KMK-Projekten. Alle Vorhaben dienen der Qualitätssicherung und -steigerung an Schulen und zielen vor allem auf die Verbesserung von Unterricht ab.

Ist es denn Qualitätssicherung und –steigerung Grundschulkinder mit einem bis zu 20 Kilo schweren Schulranzen auf eine tägliche Reise von bis zu 3 Stunden zu schicken? Wo Körperfehlhaltungen vorprogrammiert sind. Vom zeitigen Aufstehen der Kinder, fange ich im Zusammenhang mit Qualität jetzt nicht noch einmal an, das können Sie sich ja denken, dass so etwas kontraproduktiv ist.

Ist es denn mit dem Gewissen zu vereinbaren durch lange Busfahrten bildungsbenachteiligte Kinder heranzuziehen und das einfach so hinzunehmen?
Nicht nur die Grundschulkinder sind die Leidtragenden in Ihrer Verordnung. Ganze Regionen werden dadurch bedroht, eine höhere Abwanderungsrate ist Vorprogrammiert und das in einem Bundesland wo diese so schon sehr hoch ist. Welches Kind soll denn nach einem solch langen Tag noch an einem Vereinsleben teilnehmen?
Welcher Verein bleibt denn ohne Nachwuchs am Leben? Wo bleiben die sozialen Bindungen, welche gerade im Vereinsleben gefördert werden? Es bleibt alles auf der Strecke! Aber das interessiert im Kultusministerium wohl scheinbar niemanden. Haben Sie oder Ihre Kollegen denn keine Kinder oder Enkel?

Der Teufelskreis dank Ihrer Verordnung dreht sich aber weiter. Nicht nur Kinder und Vereine leiden. Es gibt tausende unbesetzter Ausbildungsplätze in den Unternehmen und Betrieben im Land und das beginnt beim kleinen Handwerksbetrieb um die Ecke und endet bei großen Konzernen. Welches Unternehmen bleibt denn noch lange am Standort Sachsen-Anhalt, wenn man keine Auszubildenden findet? Wo es genug Bundesländer gibt, wo nicht am wichtigsten gespart wird, was wir Menschen brauchen. Sind Sie denn der Ansicht, dass unter solchen Voraussetzungen Fachkräfte nach Sachsen-Anhalt zurück kommen? Dafür gibt das Land ja Millionen aus. Wer möchte denn zurück in ein Land, wo scheinbar versucht wird zwei Ballungsgebiete zu schaffen?

Wären Sie in dieser Situation, würden Sie sicherlich auch überlegen ob Sie in Ihre Heimat zurück kehren, oder doch lieber fern von Familie in Bundesländern wohnen würden, wo auch Schulen mit 45 Grundschulkindern einen Bestandsschutz haben. 

Überdenken Sie und Ihre Kollegen sich diese Verordnung, sicherlich wird man nicht jede Schule halten können, aber betrachten Sie diese Thematik auch einmal mit der menschlichen Seite und nicht nur mit der, des sparenden Politikers. Man sollten es auch unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass im Mai Kommunalwahlen und im Jahr 2016 Landtagswahlen sind, kaum ein Wähler in den betroffenen Regionen wird sich noch den großen Parteien wie der SPD und CDU anschließen, da mit Ihrer Verordnung jegliches Vertrauen verloren gegangen ist.

Ich schließe mit dem Eingangszitat ab, welches ich als sehr passend empfinde. „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Ich freue mich auf eine Ordnungsgemäße Antwort.

Mit freundlichen Grüßen


Claudia......

Eine abgewanderte Sachsen-Anhaltinnerin, die unter diesen Umständen nicht zurück nach Sachsen-Anhalt ziehen wird.

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