Google+ Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort Sachsen-Anhalt: Sprechen wir mal "von Schule" - Finanzielle Ausstattung und Kompetenzen

Dienstag, 2. August 2016

Sprechen wir mal "von Schule" - Finanzielle Ausstattung und Kompetenzen

Betrachten wir die verflossenen drei Jahre, so wurde in Sachsen-Anhalt sehr viel über Verordnungen, personelle Versorgung, Mindestschülerzahlen und "Modernisierung" in den verschiedensten Variationen gesprochen. Auf der Strecke geblieben ist eigentlich eine vertiefte Auseinandersetzungen mit den "Werkzeugen", dank derer gute Bildung garantiert werden soll. In diesem und den folgenden Beiträgen gehen wir nun diese Thematik an:

1. Finanzielle Ausstattung.


Ich veröffentliche hier die Antworten eines Schulleiters auf gestellte Fragen. Zur Schule. Grundschule/Sekundarschule in der Stadt Zürich. Kindergarten/Einführungsstufe/Grundschule einzügig 6 Klassen, Sekundarschule A/B (7.-9. Schuljahr) zweizügig, total ca. 390 Schülerinnen und Schüler. Die Angaben sind in Franken gemacht. Nach heutigem Kurs beträgt der Wert eines Frankens 0.92 €.

Schulleitung:
  • Wieviele Wochenstunden unterrichtest du noch? Keine
  • Handelt es sich dabei um eine schülerbezogene Freistellung? Nein.
  • Anstellung Lehrkräfte: Bewerbungsgespräche bei Schulleitung? Empfehlung der Schulleitung bindend? Die Bewerbungen richten sich an die Kreisschulpflege (Anstellungsinstanz). Diese prüft die Einstellungswürdigkeit und gibt das Okay für die weitere Bearbeitung der Schulleitung (Bewerbungsgespräch, Einstellungsempfehlung bindend – Allenfalls Rückweisung der Bewerbung auch durch die SL)
  • Schulausfall wegen Krankheit: Springerpool der Schulleitung oder der Bildungsdirektion bei Ausfällen, welche länger als drei Tage sind? Die Gemeinde (Stadt Zürich) übernimmt für die erste Zeit (1-3 Tage) die Vikariatskosten. Die Schule ist jedoch selber für die Suche nach einer Vikariatsperson in Charge. Alles was absehbar länger als 3 Tage dauert, übernimmt (und schreibt auch aus) die Bildungsdirektion (Kanton Zürich). Gemeint ist dann folgende Ausschreibung.

Klassen:
  • Standardlehrmittel weiterhin in Klassensätzen, welche zum Ende des Schuljahres zurückgegeben werden und durch die nächste Klasse wieder verwendet werden? In der Regel ja. Immer mehr Lehrkräfte beantragen bei der Schulleitung Zusatzkredit zur Anschaffung eines speziellen Lehrmittels. Das trifft eher für die sprachlichen Fächer zu und kann meistens bewilligt/bezahlt werden.
  • Das Amt des "Schulmaterialverwalters" gibt es weiterhin? Ja.
  • Verbrauchsmaterial (Hefte, Arbeitsblätter etc.) weiterhin aus dem Schulmaterial-Pool? (Bei uns vielfach durch Eltern zu bezahlen) Ja, Materialpool pro Schüler – zusätzliches kann via Klassenkredit angeschafft werden. Dabei ist die Büro- und Schulmaterialverwaltung der Stadt Zürich zu berücksichtigen. PS: Nach wie vor gilt „Die Volksschule ist kostenfrei.“
  • Jahreskopierkontingent/Klasse Primarschule? (Bei uns Kopierpauschale, welche von den Eltern eingezogen wird) Keine Kopierkärtchen mehr. Alle kopieren frischfröhlich drauflos. Der Budgetmann  erbleicht zuweilen. Dann schreibt die Schulleitung ein mahnendes bis drohendes Mail an die Kopiergemeinschaft. Müder Witz: Bitte keine roten Ferraris in Klassensätzen kopieren. Danke.  
  • Klassenbudget zur freien Verfügung? Summe/Jahr? Klassenkredit Sekundarstufe ca. Fr. 600.-- / Primarstufe ca. Fr. 800.--
  • Pauschalbudget Primarschule für Projekte etc.? Summe/Jahr / Diverse Pauschalen (Projekte, Exkursionen, Klassenlager) im GKKS (Globalbudget) eingestellt. Kosten müssen mit Projektplanung bei der Schulleitung beantragt werden und können in der Regel bewilligt werden. Als Schulleiter nehme ich zunehmend pädagogisch fragwürdige Anträge wahr (Spassgesellschaft). Eine Wanderung scheint auf der Sekundarstufe zum Beispiel kaum mehr durchführbar zu sein, wenn nicht mindestens ein Kletterpark oder eine Trottinettbergabfahrt und anderes (Spa!) damit verbunden ist.
  • Im Weiteren erinnere ich mich an ein "Globalbudget" für die Schule. Gibt es das noch und wie hoch? Summe/Jahr Ja.  ca. 350‘000.—für die ganze Schule.


Man kann also festhalten, dass  ca. 1000 Schweizer-Franken pro Schüler in ein Globalbudget der Schule fließen, welche weitgehend für individuelle Zwecke, Verbrauchsmaterialien und Schul- oder Klassenprojekte verwendet werden. Auch in der Schweiz liegt die Schulhoheit bei den Kantonen (Bundesländern), was zur Folge hat, dass die Zahlen differieren. Grundsätzlich sind jedoch teilautonom geleitete Schulen und deren finanzielle Ausstattung ein Modell, welches inzwischen Flächen deckend zur Anwendung kommt.

Damit erhalten Schulleitung und Lehrkräfte die Möglichkeit, konzeptionelle Ideen oder Klassen bezogene Projekte auch zu finanzieren, aber auch personalplanerisch ihre Teams optimal zu besetzen. Dies hat natürlich einen wesentlichen Einfluss auf die Schulqualität.

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