Google+ Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort Sachsen-Anhalt: Sommertheater (4): Von Hochgebirgsregionen und zurechtgebogenen Statistiken

Montag, 17. August 2015

Sommertheater (4): Von Hochgebirgsregionen und zurechtgebogenen Statistiken

GS Wust
Der letzte Abschnitt unserer Replik auf die Stellungnahme der Landesregierung hat es auch in sich. Dabei stellt sich die Frage, ob sich ein Ausschuss für Bildung und Kultur tatsächlich mit Berichten der zuständigen Ministerien abspeisen lässt, in denen kein Abschnitt schlüssig ist und in der Aufzählung der so genannten "Argumente" mehr Widersprüche als Antworten auftauchen.

Im Rahmen der Öffentlichen Anhörung vom Januar 2014 gingen wir auf die Schullandschaft in Österreich ein. Dazu legten wir dar:

Österreich besitzt im Schuljahr 2012/13 landesweit 3095 Grundschulen. Im Landesdurchschnitt werden 12,5% aller Schulen (386 Schulen) von weniger als 25 Kindern besucht. 5% aller Grundschulen landesweit (also 154 Schulen) werden von weniger als 15 Kindern besucht. Regional gibt es auf Grund dichter oder dünner besiedelter Gebiete eklatante Unterschiede:


Gesamter Text der Anhörung, hier nachzulesen und wurde auch so abgegeben.  Wir fügten hinzu: 
Das bedeutet: Österreich ist durch ein Schulsystem geprägt, in welchem in dicht besiedelten Gebieten in Jahrgangsklassen unterrichtet wird, während man in dünn besiedelten Regionen das jahrgangsdurchmischte Schulsystem kennt.

DAS war unsere Aussage und man kann dem entnehmen, dass wir eine generelle Thematik aufgreifen.

Darauf wird wie folgt geantwortet:

Hat irgendjemand von "Schulgrößen in Gebirgsregionen" gesprochen? Nein, das ist eine Erfindung des Kultusministeriums. Da liefern sich Leute  selbst Stichworte, auf welche dann eingegangen wird. Wir haben die generelle Schulsituation Österreichs dargestellt und als EIN Beispiel von Kleinstschulen so genannte Schulsprengel mit mehreren Kleinschulstandorten erklärt.  Ausführlicher dargestellt wurde dies dann beim Thema Schulverbund.  Damit wird Schulqualität und Lehrerversorgung sicher gestellt und das hat so gut wie nichts mit den "örtlichen Wegeverhältnissen" zu tun, genau so wenig wie der Exkurs in "Hochgebirgsregionen".

Statistiken schönreden - aber fehlerbehaftet! Mach dir die Welt, wie sie dir gefällt....

Schließlich wendet sich das Ministerium dem Thema zu, mit welchem es sich am liebsten und ausführlichsten beschäftigt, wenn irgendwas erklärt werden soll. Statistische Vergleiche:


Aha, da haben wir die Bescherung! Sachsen Anhalt ist eben völlig anders, unvergleichlich und deshalb wird in unserer Petition  in "nicht sachlich vergleichbarer" Weise argumentiert... . Bessere Argumente sind nicht  zu finden gewesen?  Hat irgend jemand die Karte mit der Bevölkerungsdichte Finnlands genauer betrachtet, die praktisch unbewohnten Gebiete abgezogen und die Farbe 10-50 Einw./km2 genauer betrachtet? HIER findet man die Schulen, von denen wir sprechen!

Was war das Ziel unserer Petitionen? Erhalt der Schulen im ländlichen Raum. Hier einige Beispiele , was man sich gemeinhin darunter vorstellen könnte und niemals hätten wir gedacht, dass wir gegenüber "Fachleuten" alleine für die Erklärung ländlicher Raum einen derartigen Zeitaufwand betreiben müssen. Aber gerne argumentieren wir statistisch :


Siehe da: Weder müssen wir in den hochalpinen Raum, noch lohnt sich die Reise nach Finnland oder Schweden. Wir haben Regionen, welche wir sehr wohl vergleichen können! Exakt für diese dünner besiedelten Gebiete halten viele Länder und inzwischen auch Bundesländer ein kleinmaschigeres Schulnetz vor und genau DAS war unser Kernanliegen.
Wenigstens lässt sich was aus dem "Hochgebirgs"-Exkurs abkupfern: "Hier sind zweifellos Lösungen erforderlich, die den regionalen Erfordernissen genügen!" Exakt: Busfahrzeiten mit bis 45 Minuten/Weg für Grundschüler sind keine solche Lösung!

Noch zu unseren Verweisen auf andere Bundesländer:  Auch  diesbezüglich wird mit Argumenten hausiert, dass sich die Balken biegen. Dieser Satz steht nackt als gesonderter Abschnitt im Raum. Was soll er uns sagen? :


Nun, angesichts der Ballungsräume in Bayern erstaunt das eigentlich nicht. Hat irgend jemand behauptet es gäbe in Bayern mehr kleine als große Schulen? Nein. 

Aber es wurde dargelegt: Bayern gibt neuerdings im ländlichen Raum  Schulen mit mehr als 26 Kindern Bestandsschutz, wenn die Eltern das wünschen. Und dazu hat sich der Gesetzgeber Einiges einfallen lassen.   Dazu kein Wort? Sachsens Schulreform mit Mindestschulgrößen von 35 Kindern? Kein Wort? Wie peinlich!

 Zum Schluss gibt es noch Zucker:


Bevor solche Aussagen gemacht werden, müsste man vielleicht mit den Petenten zuerst mal sprechen, zumal diese im Frühjahr 2015 um eine Zusatzanhörung gebeten haben, welche jedoch im Zuge der Erstellung dieses Berichtes abgelehnt wurde.

So konnten sich die Verantwortlichen dem Vorwurf entziehen, dass unser Anliegen - auf die SEPL-VO2014 bezogen - schon längst abgelöst worden ist durch den Demografie-Check von STARKIII, welcher zu vielen weiteren Schulschließungen führen wird. Auch dieses Programm scheint ohne Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zu arbeiten. Nein, es wird einfach mit Geldscheinen gewedelt und die Kommunen sehen keine andere Möglichkeit an Geld für Schulsanierungen heranzukommen - schließen also wider besseres Wissen Schulstandorte, um wenigstens eine Schule toll saniert hinzukriegen.

Der große Zusammenhang lautet: Zukunft des ländlichen Raumes, Zukunft Sachsen-Anhalts

Deutlich wird Folgendes: Es besteht absolut kein Interesse, über solche Schulformen zu diskutieren, weil die übergeordnete Planung in eine völlig andere Richtung läuft. Zentralisierung. Fokussieren auf einige wenige Leuchttürme. Das soll dann das Sachsen-Anhalt von morgen sein. Oder müsste man besser sagen, das Mitteldeutschland von morgen? Solche Gedanken müssten hellhörig machen, finden Sie nicht auch?

Dazu werden wir in den kommenden Wochen berichten.


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