Google+ Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort Sachsen-Anhalt: Südharz: Schulplanung? Nein - skandalöse Trickserei!

Mittwoch, 13. August 2014

Südharz: Schulplanung? Nein - skandalöse Trickserei!

Ein weiteres Kapitel zum nicht enden wollenden Thema Schulentwicklungsplanung in der Gemeinde Südharz. Was sich hier derzeit abspielt,  dürfte landesweit einmalig sein und ist ein Skandal. Stand laut Schulplanung:

  • Schule Stolberg (mit Kindern aus Auerberg und Breitenstein) schließt im Sommer 2014. Die Schüler werden der (kleineren!) Grundschule Hayn zugeordnet.
  • Schule Hayn schließt 2017, worauf alle Kinder nach Rottleberode zur Schule gehen werden, wo eine  (überdimensioniert geplante!) Schulanlage steht, welche alle Schüler aufnehmen kann.
Bereits als dieser Beschluss gefällt wurde, stellte Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort die Frage nach dem Sinn dieser "Zwischenlösung", welche für drei Jahre nur enorme Kosten, aber keinerlei Ersparnis bringen würde. Am 24. Januar 2014 fragten wir deshalb öffentlich:


Rational NICHT nachvollziehbar
Gehen wir davon aus, dass SEPL richtig ist und umgesetzt werden MUSS. Selbst dann ist dieser Entscheid ein Skandal und dürfte niemals in die Schulplanung einfließen:
  • WENN Hayn nicht bestandsfähig ist, WESHALB werden die Schüler nicht direkt in Rottleberode unterrichtet? WESHALB wird die Schule für drei Jahre am Leben erhalten und Stolberg muss dafür die Kinder liefern? 
  • WENN Stolberg nicht bestandsfähig ist, WESHALB gehen dann die Kinder nicht DIREKT ins 7 km entfernte Rottleberode und müssen stattdessen ins 12 km entfernte Hayn (mit Umwegen noch weiter), dies auch im Winter durch verschneite Harz-Strecken. WAS SOLL DAS?
  • WENN beide Schulen NICHT bestandsfähig sind, WESHALB also nicht direkt nach Rottleberode und falls dort (noch) Raumprobleme bestehen, WESHALB gibt es keine Ausnahmebewilligung zum Erhalt der Standorte Hayn und Stolberg bis 2017?
All das ist NICHT beantwortet.   (Hier der ganze Beitrag)


Heute kann man dies beantworten und es wird ganz ganz schwer sein, diese Argumente zu widerlegen. 


Zielsetzung von Anfang an klar: Möglichst schnelle Schließung beider Schulen, prioritär Stolberg
2011 begann die Gemeinde Südharz mit dem Bau einer Grundschule mit einem Fassungsvermögen von bis zu 200 Schülern. (Rottleberode als Standort hat ca. 90 Schüler). Dieses Projekt stieß in den umliegenden Schulstandorten auf Widerstand, wurde doch damit signalisiert, dass hier ein zentraler Schulstandort geschaffen werden sollte. Dabei war Stolberg mit Geld aus verschiedenen Töpfen sehr aufwändig saniert worden und es gab auch ein Schreiben, wonach dieser Standort ganz klar zu erhalten sei. Somit lastete auf Rottleberode und dem Bürgermeister der Gemeinde Südharz die Hypothek, hier etwas gebaut zu haben, was überhaupt nie ausgelastet würde... Zum Glück kam SEPL-VO2014.  Der Rest ist schnell erzählt:

  • Sofortige Schließung beider Schulstandorte wäre auf Grund der Stimmenverhältnisse im Gemeinderat nicht zu machen, obwohl arithmetisch und logistisch sinnvoll. Wenn schon, denn schon..
  • Schließung von Hayn als ersten Standort stieß ebenfalls auf großen Widerstand. Also alle gegen Stolberg, eh eine alte Rivalität und ein Dauerstolperstein bei allen Profilierungsversuchen Rottleberodes.
  • Also Schließung von Stolberg ab 2014 und Hayn kriegt den Zucker für weitere drei Jahre und viele bunte Luftballons, dass es bis dann wieder neue Entscheidungsgrundlagen gäbe... Damit wurde der Sack gebunden, waren Mehrheiten geschaffen.
Wie kriegt man jetzt Hayn möglichst schnell ohne erneute Beschlussfassung dicht? Dank der Schülerbeförderung!
Betrachten wir den sinnvollen Schulweg für die Stolberger nach Hayn. Bedenken wir dabei, dass die Busfahrzeit sicher 2/3 höher liegt als die PKW-Fahrzeit.


Sinnvoll schon deswegen, weil da noch die Ortsteile Breitenstein und Auerberg sind. Auch für sie  wäre die Route optimal (Breitenstein 10 km, Auerberg 5 km bis Hayn.:

Wer und welche Gesinnung steckt nun hinter dem folgenden Schülerbeförderungs-Plan für die Grundschule Hayn?
Ab Stolberg:

Nicht 14 Kilometer, sondern 21 Kilometer nach Hayn und nach 6,9 Kilometern  fährt man an der halbleeren Grundschule von Rottleberode vorbei...

Noch drastischer die Situation für die 4 oder 5 Grundschüler aus Breitenstein/Auerberg:

Dass unter diesen Voraussetzungen Ausnahmeanträge für Einschulung in Rottleberode folgen müssen, ist völlig klar. Und sie wurden allesamt bewilligt! Über 30 Ausnahmeanträge! Alle bewilligt!

Fazit: Hayn kriegt mit noch verbleibenden 35 Kindern die Mindestschülerzahlen NICHT zusammen, hat Ausnahmebewilligung für 1 Jahr und dann werden auch die bisher nach Hayn gehenden 10 Kinder der westl. Sangerhäuser-Ortsteile auf eine 25 Kilometer-Reise nach Großleinungen oder Sangerhausen geschickt. 6-11-jährige Kinder!

All das ist bestens angedacht und eingefädelt, nur sagen durfte man es nicht, schließlich standen ja noch Kommunal- und Landratswahlen an. Das sind keine spekulativen Aussagen. Das vorgedachte Ende für Hayn ist nämlich bereits hier nachzulesen:

Ab Schulj. 2014/15 wird der Schulbezirk der GS Großleinungen um die Sgh. OT Rotha 
mit Paßbruch, Horla, Breitenbach und Wolfsberg ab dem 1. Schuljahrgang aufsteigend 
erweitert.  

So und nicht anders steht es im Schulentwicklungsplan für die Grundschule Großleinungen... Auf Nachfragen hübsch verharmlost:"Nein nein, die gehen weiterhin nach Hayn". Seltsam nur, dass der ehemalige  Landrat Schatz anlässlich einer Versammlung  in Rottleberode auf eine um 10 Kinder tiefere Schülerzahl für Hayn kam, als die Gemeinde Südharz. DAS waren eben die 10 Kinder, welche planerisch bereits in Großleinungen eingearbeitet sind. Diese Posse ist hier nachzulesen, letzter Abschnitt. 

Stolberg übrigens wäre mit den Schülern aus Hayn, auch ohne die Sangerhäuser Ortsteile, bis 2017/18 klar bestandsfähig geblieben. DESWEGEN machte es strategisch Sinn, zuerst mal Stolberg zu schließen, denn 2017/18 ist nicht klar, ob die neuen Mindestschülerzahlen zum Tragen kommen werden, das weiß man...aber was mal geschlossen ist, braucht für eine Neueröffnung Zweizügigkeit, so sagt es die Verordnung...

Ein mieses Spiel aller Entscheidungsträger, billige Tricks und Schikanen auf dem Buckel der Kinder, und der Ortsteile. Und weshalb das alles? Nur wegen einer SEPL-VO2014 oder geht es da eben doch um das Wirken von Partei-Seilschaften unter dem Namen Demokratie, auf Kosten des ländlichen Raumes und des gesellschaftlichen Konsenses? Was hier abläuft und seit mehr als einem Jahr hinter den Kulissen organisiert wird, ist eine unbeschreibliche Schweinerei und hat mit Demokratie gar nichts mehr zu tun.

Wir können die Betroffenen nur aufmuntern, sich dieser Vorgänge anlässlich kommender Wahlen sehr genau zu erinnern und die entsprechende Antwort an der Urne zu geben.


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